Gewaltvideos, Kettenbriefe und Challenges
Schockvideos, Drohbriefe und gefährliche Mutproben erreichen Kinder schon in der Primar, oft über ältere Geschwister, Freunde oder ein Familientablet.
Aktualisiert am 22.10.2026
Was herumgeht
- Gewalt- und Schockvideos: Schlägereien, Unfälle, Tierquälerei, Kriegsbilder. Sie werden geteilt, weil sie schockieren.
- Kettenbriefe: «Schick das an 10 Leute, sonst passiert heute Nacht etwas.» Für jüngere Kinder echt beängstigend.
- Challenges: Mutproben aus TikTok oder YouTube, manche harmlos, manche lebensgefährlich (Atem anhalten, Stoffe schlucken, Klettern).
Zahlen aus der Schweiz
- 36 % der 12- bis 19-Jährigen schauen zumindest selten brutale oder gewalthaltige Videos, 6 % täglich oder mehrmals pro Woche (JAMES-Studie 2024, ZHAW).
- Jeder zehnte Jugendliche hat solche Videos schon selbst verschickt (JAMES-Studie 2024, ZHAW).
- Schon in der Primarschule ist knapp die Hälfte der Kinder, die das Internet nutzen, auf angsteinflössende Inhalte gestossen, 40 % haben Dinge gesehen, die nicht für Kinder geeignet sind (MIKE-Studie 2021, ZHAW).
Was dein Kind wissen muss
- Kettenbriefe sind erfunden. Niemand kann kontrollieren, ob du sie weiterschickst. Es passiert nichts, wenn du sie löschst.
- Nicht weiterschicken. Wer Gewaltvideos verbreitet oder einem Kind unter 16 Pornografie zeigt, macht sich strafbar (Art. 135 und 197 StGB). Das Jugendstrafrecht gilt ab 10 Jahren.
- Wegschauen ist erlaubt. Man muss nichts zu Ende schauen, nur weil die anderen es tun.
- Komm zu mir, wenn dir etwas nicht aus dem Kopf geht. Auch nachts.
Wenn es schon passiert ist
- Nachfragen statt Vortrag: «Was hast du gesehen? Was denkst du darüber?» Kinder verarbeiten Bilder, indem sie darüber reden.
- Auf Schlafprobleme, Ängste und Rückzug achten. Bleiben sie mehrere Tage, hilft die Elternberatung (siehe Hilfe holen).
- Kam es aus dem Klassenchat, die Klassenlehrperson informieren.
- Challenges offen ansprechen, bevor sie auf dem Pausenplatz ankommen: «Hast du von dieser Mutprobe gehört? Was meinst du, warum das gefährlich ist?»