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Kinder begleiten

Vom ersten Kontakt bis zum ersten eigenen Gerät: was ihr zusammen anschaut, was ihr übt und worauf du achtest.

Viele Eltern fragen sich: Wie lernt mein Kind den Umgang mit Medien, wenn es noch kein eigenes Smartphone hat? Die Antwort: begleitet, am Familiengerät. Der Elternpakt verbietet das eigene Smartphone in der Primarschule, nicht die Medien. Dein Kind lernt Schritt für Schritt, mit dir daneben, am Tablet oder Computer der Familie.

Der Leitfaden geht vom ersten Kontakt bis zum Ende der Primarschule. Jede Stufe hat drei Teile: was ihr zusammen anschaut, was ihr übt und worauf du achtest. Die Klassen sind Richtwerte. Fang dort an, wo dein Kind gerade steht.

Erster Kontakt

Vor und im Kindergarten (oder 1. und 2. Klasse).

Was ihr anschaut

  • Kurze Filme, Bilderbuch-Apps oder Fotos aus dem Familienalbum, immer gemeinsam.
  • Das Familientablet steht im Wohnzimmer, nicht im Kinderzimmer.

Was ihr übt

  • Kurze Zeiten: Ein Film oder eine Folge, dann ist Schluss. Eine Sanduhr oder ein Wecker macht das Ende sichtbar.
  • Werbung erkennen: «Schau, das ist Werbung. Die wollen, dass wir das kaufen.»
  • Darüber reden: «Was hat dir gefallen? Was war komisch?»

Darauf achten

  • Kein Bildschirm zum Beruhigen, beim Essen oder vor dem Einschlafen.
  • Apps und Filme vorher selbst anschauen. Autoplay ausschalten.

Mehr dazu: Kindersicherung in 15 Minuten · YouTube, Influencer und Werbung

1. und 2. Klasse

Was ihr anschaut

  • Fotos und Nachrichten in der Familien-Chatgruppe, gemeinsam am Familiengerät.

Was ihr übt

  • Recht am eigenen Bild: Jede Person entscheidet selbst, ob ein Foto von ihr verschickt wird. Darum vorher fragen: «Darf ich das Bild der Grossmutter schicken?»
  • Die Familien-Chatgruppe als Übungsraum: Dein Kind schreibt mit dir an die Grosseltern oder ans Gotti. Ihr übt feste Zeiten (keine Nachrichten am späten Abend), einen freundlichen Ton und dass man nichts weiterleitet, was einer anderen Person gehört.
  • Nein sagen dürfen: Will jemand ein Foto von deinem Kind machen und es möchte das nicht, gilt sein Nein.

Darauf achten

  • Keine Fotos in Badehose oder beim Baden verschicken, auch nicht in der Familie. Ein verschicktes Bild lässt sich nicht zurückholen.
  • Du bist Vorbild: Frag auch du dein Kind, bevor du ein Foto von ihm teilst.

Mehr dazu: Fotos und Privatsphäre · Vorbild sein und Suchtmechanismen erklären

3. und 4. Klasse

Was ihr anschaut

  • Games, die dein Kind spielen möchte, zuerst zusammen: Wer kann dort schreiben? Gibt es Käufe?
  • YouTube gemeinsam: Ihr sucht zusammen die Werbung. Wo wird ein Produkt in die Kamera gehalten? Wer verdient daran?

Was ihr übt

  • Chat nur mit Freunden: Ihr stellt den Chat im Game zusammen ein. Freunde sind Kinder, die dein Kind auch im echten Leben kennt.
  • Rollenspiele: Du spielst die andere Person, dein Kind antwortet.
    • «Jemand Fremdes schreibt dir in einem Game. Was machst du?» Gute Antwort: nicht antworten, es dir zeigen, blockieren.
    • «Im Chat kommt ein Bild, das dir komisch vorkommt.» Gute Antwort: nicht weiterschicken, nicht löschen, es dir zeigen.
  • Ist das Bild echt? Ein auffälliges Bild gemeinsam prüfen: Wer hat es gepostet? Findet ihr es auch anderswo? Wirkt etwas unnatürlich, etwa Hände, Schatten oder Schrift?
  • Kettenbriefe: Zeig deinem Kind einen Kettenbrief und erklärt zusammen, warum nichts passiert, wenn man ihn löscht.

Darauf achten

  • Dein Kind darf mit allem zu dir kommen, ohne Strafe und ohne dass du das Gerät wegnimmst. Sonst erzählt es beim nächsten Mal nichts.
  • Käufe in Games nur mit deiner Freigabe.

Mehr dazu: Games, Konsolen und Chats mit Fremden · Gewaltvideos, Kettenbriefe und Challenges · Fake News, Deepfakes und KI-Chatbots · Geld in Games

5. und 6. Klasse

Was ihr anschaut

  • Wie Posts funktionieren: Likes, Kommentare, Teilen und was «privat» bedeutet. Am besten auf deinem eigenen Konto.

Was ihr übt

  • Gemeinsam posten: Dein Kind wählt mit dir ein Foto aus und schreibt den Text. Gepostet wird in der Familiengruppe oder an die Grosseltern. Vorher geht ihr die vier Fragen durch:
    1. Wer sieht das?
    2. Darf die andere Person auf dem Bild das?
    3. Würde ich es auch in einem Jahr noch zeigen?
    4. Steht Name, Schule oder Wohnort drauf?
  • Entwurf statt Post: Auf deinem Konto baut ihr einen Post und schickt ihn nicht ab. Dabei schaut ihr an, wer Likes und Kommentare sieht, wie Teilen funktioniert und was die Einstellung «privat» schützt und was nicht.
  • Ferienfotos erst nach den Ferien teilen. Wer unterwegs postet, zeigt allen, wo man gerade ist und dass niemand zuhause ist.
  • Das Foto vom ersten Schultag ohne Schulhaus, Schulweg und Namensschild. So bleibt für Fremde offen, wo dein Kind zur Schule geht.

Darauf achten

  • Ohne eigenes Smartphone braucht es in der Primarschule keinen Klassenchat.
  • Wenn dein Kind sagt, andere hätten schon ein Handy: «Bei uns gilt der Pakt. Und du lernst jetzt schon, wie es richtig geht.»

Mehr dazu: Fotos und Privatsphäre · Klassenchat und Cybermobbing · Elternpakt

Vor dem ersten eigenen Gerät

Was ihr anschaut

  • Welches Gerät zu deinem Kind passt: Kinderuhr, Tastenhandy oder später ein Smartphone mit Kindersicherung.

Was ihr übt

  • Schrittweise mehr Freiheit: Zuerst Kinderuhr oder Tastenhandy, damit dein Kind erreichbar ist. Das Smartphone kommt später, mit Kindersicherung und wenigen Apps zum Start.
  • Familienregeln vorher aufstellen: Wann, wo und wie lange? Wo schläft das Gerät? Was passiert, wenn etwas schiefgeht? Schreibt die Regeln auf, bevor das Gerät da ist.
  • Notfälle besprechen: Wen ruft dein Kind an? Was tut es, wenn ihm online etwas Angst macht?

Darauf achten

  • Was dein Kind bis jetzt geübt hat, nimmt es mit: vorher fragen, nichts weiterleiten, die vier Fragen vor einem Post und dass es mit allem zu dir kommen darf.
  • Die Regeln regelmässig zusammen anschauen und Freiheiten ausbauen, wenn Abmachungen klappen.

Mehr dazu: Alternativen zum Smartphone · Das erste Smartphone · Familienregeln aufstellen · Kindersicherung in 15 Minuten · Wenn etwas passiert ist: Hilfe holen